Irgendwie bekannt

Hola Amigos,

nun wissen wir, was Urwald ist. Das sind Bäume, Sträucher, Wurzelwerk, alle möglichen Pflanzen, die uns ihre Namen nicht verraten, und so dick miteinander verwurschtelt und verschlungen sind, dass wir keine Chance auf ein Durchkommen haben. Das müssen wir auch nicht. Unser Ziel waren die Wasserfälle nur wenige Kilometer von unserem gegenwärtigen Aufenthaltsort. In jedem Reiseführer empfohlen, sind die entsprechend touristisch erschlossen. Aber die Wanderwege ringsherum sind naturbelassene Pfade, die nicht nur über Stock und Stein führen, sondern eben auch mal durch ein Flüsschen oder über einen kleinen Kletterfelsen. Verlaufen kann man sich nicht, weil überall dort, wo es nicht weiter geht, die Urwald-Wand steht.

Etwas deplaziert wirkt allerdings die Streuobstwiese in naher Nachbarschaft. Die sieht aus wie bei uns Streuobstwiesen aussehen, mit dem Unterschied, dass mitten im November alles grün ist und dass am Rand der Wiese Südbuchen wachsen. Endlich haben wir sie gefunden. Ein Prachtexemplar von Südbuche steht unmittelbar an einem der Wasserfälle. Nun haben wir eine Ahnung, wie riesig die Dinger werden können. Solche wirklich hochbetagten Bäume sehen wir allerdings selten. Es ist nicht anders wie bei uns mit der Forstwirtschaft.

Überhaupt fühlen wir uns derzeit ein bisschen veräppelt. Hier in Vallerrica und Pucon ist man nicht richtig in Chile, eher wie in Deutschland. Samstags wird der Rasen gemacht, Männer putzen ihre Autos. Und man bereitet sich allerorts auf Weihnachten vor. In den Geschäften gibt es Weihnachtsdeko, Schokoladen-Weihnachtsmänner und das ganze Programm. Nur die Draußen-Kulisse hat sich (zum Glück) nicht an das deutsche Weihnachtsfest angepasst. Der Flieder pfeift drauf und blüht, ebenso Rosen, Ginster und so weiter. Händler bieten frische Erdbeeren und Rhabarber an, die Menschen flanieren in sommerlicher Bekleidung, Eisverkäufer machen gute Geschäfte.

Das alles interessiert uns eigentlich weniger. Wir versuchten noch eine kleine Wanderung am See. Aber ach, wir Blauäugigen. Hier wurde unser von Kindheit an geprägtes Urvertrauen auf – zumindest in Gegenden wie diesen – vorhandene Wanderwege zutiefst erschüttert. Der „Rundwanderweg“ ist eine Straße für Autos ohne Platz für Wanderer. Aber immerhin werden die PS-starken „Wanderer“ auf Hinweistafeln auf besondere Aussichtspunkte aufmerksam gemacht, vor denen es dann auch Parknischen gibt.

Morgen wollen wir versuchen, in einen richtigen Urwald zu kommen. Der Nationalpark mit dem unaussprechlichen Namen „Huerquehue“ (Wer denkt sich eigentlich solche Namen aus?) steht auf dem Plan. Dort soll es 1000_jährige Araukarien geben.

Hasta luego,

Herby und Trixi

 

Veröffentlicht in Chile-Impressionen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.